Seiko
GRAND Seiko
10 August 2011
Obwohl seit der Baselworld in März kaum Zeit vergangen ist, hat bereits der japanische Hersteller sein Sortiment mit mehreren Neuheiten erweitert. Allerdings soll nicht das Modell mit der Pünktlichkeit einer Atomuhr, das "Active Matrix EPD" behandelt werden, und auch nicht die Seiko Solar mit Solarzellen. Im Oktober ist nämlich endlich die neuste Kollektion der Grand Seiko erschienen, mit der der Hersteller den 50. Geburtstag der Modellfamilie feiert.
Dezember 1960 - Geburt der ersten Grand Seiko. Das Ziel seiner Schöpfer war das Erschaffen der weltbesten Luxusuhr. Für diese Modellfamilie wurden neue Standardwerte festgestellt, die in Sachen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit im Vergleich zu allen anderen früheren Seiko Uhren mehr abverlangten. Wie es in solchen Fällen üblich ist, mussten neue Verfahren entwickelt werden damit man die hochgesteckten Ziele erfüllen konnte, wobei die Entwicklung eigentlich nie zum Halt kam. Obwohl das erste Exemplar schon vor 50 Jahren gefertigt wurde, ist die Grand Seiko in gewisser Maßen immer noch der selbe bewehrte, bequeme und unkomplizierte Zeitmesser. Seinerzeit hatte in Japan nur ein enger Kreis das Privileg solch eine Uhr zu besitzen. Heutzutage sind die Modelle auch schon international verfügbar, allerdings haben nur einige erlesene Geschäfte aus 20 Ländern das Recht diese zu führen.
Die Geschichte hat ihren Anfang in dem für auch uns Ungarn bedeutenden Jahr 1956, als Seiko seine Marvel genannte Uhr auf dem Markt brachte. Damals galt sie als eine genaue und gute Uhr, und war auch durchaus beliebt, doch für den Uhrenmacher Tsuneya Nakamura war dies nur der Anfang. Er wollte mit seinem Team eine Uhr schaffen, die es nicht nur in Japan, sondern auch weltweit mit den namhaften Konkurrenten aufnehmen konnte. Die erste Grand Seiko Standard musste daher eine strengere Kontrolle bestehen, als dies von den bekannten Chronometertests verlangt wird. Die Tests wurden in sechs, anstatt bei den anderen üblichen fünf Positionen durchgeführt, wobei die sechste die vertikale Position war. Es gäbe auch solche Personen - hieß es - die ihre Uhren wenn sie diese nicht tragen, so aufhängen. Das C.O.S.C. Zertifikat bzw. andere Tests, die die Genauigkeit prüfen gelten heute als selbstverständlich, doch man bedenke, dass vor 50 Jahren die C.O.S.C. nicht einmal existierte. Die Schweizer Kontrollstelle für Chronometer wurde erst 1973 gegründet, mit unserer Geschichte sind wir aber noch nicht so weit voran. Das Institute in Japan nahm 1968 den Betrieb auf, und da die Uhren hier unter härteren Bedingungen standhalten müssen, als in der Schweiz, beauftragt Seiko auch niemand anderen mit der Kontrolle der hergestellten Zeitmesser. Nur um zwei Beispiele zu nennen: die durchschnittliche Ganggenauigkeit darf statt -4/+6 Sekunden nur -3/+5 sein, weiters sind maximal 8 Sekunden Unterschied statt der 10 bei der C.O.S.C. im Vergleich der durchschnittliche Ganggenauigkeit zu einer in einer beliebig anderen Position erlaubt.
Die 1960 lancierte erste GS war eine Ideallösung. Die Japaner benötigten weder Diamanten, noch solides Gold, der Glimmer war fehl am Platz - Funktionalität, wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, gute Ablesbarkeit und Tragekomfort, hatte den absoluten Vorrang. Die Entwicklung von Komplikationen wurde auch nicht in Angriff genommen, da das Ziel ja lediglich die Herstellung einer funktionell perfekten, aber dennoch schönen Uhr war. Schönheit ist selbstverständlich Geschmackssache, und jeder hat auch seine eigene Idee davon, was aber die Funktionalität angeht, so sprechen die Fakten für sich.
Die GS Self dater, ein Modell der zweiten Generation erschien 1964-ben, mit Datumsanzeige und war bis 50 Metern wasserfest. Kaum drei Jahre später folgte das erste Automatikmodell, und nach ein weiteres Jahr wurden gleich drei andere Neuheiten vorgestellt. Alle drei Modelle wurden mit dem 10 BEAT Automatikwerk ausgestattet, welches hoch isochron war, mit andern Worten neue Maßstäbe für Pünktlichkeit setzte. Von den drei Modellen wurde in einem der Seiko Magic Lever Mechanismus eingesetzt (es handelt sich hier um dem in 1959 entwickeltem Aufzugmechanismus, welcher jede Bewegung des Rotors nutze und es an das Federhaus weiterleitete), im anderen wurde ein verdünntes Werk mit Datumsanzeige verbaut, und das Dritte war das erste Modell für Frauen.
Neue Höchstwerte wurden 1969 mit den Modellen die auf V.F.A. (very fine adjusted, also sehr fein reguliert) erreicht, welche eine Ganggenauigkeit von ±1 Sekunde (oder noch weniger) im Monat aufwiesen, obwohl diese alle mechanisch waren. Im nächsten Jahr bemühte man sich die Maßen zu verkleinern, so schrumpfte das Modell 56GS auf eine Höhe von 4,5 mm.
Damit bekam 1972 auch die Frauen das Geschenk der Pünktlichkeit (19GS V.F.A.), allerdings mit einer Genauigkeit von ±2 Sekunden. Auch hier handelt es sich um ein mechanisches Werk.
Auf die erste GS mit Quarzwerk musste man noch weitere 16 Jahre warten. Das Warten hat sich aber gelohnt: die Abweichung von 10 Sekunden pro Jahr übertraf alle anderen Werke, die auf dem selben Prinzip ruhten.
Die Familie von Quarzuhren mit dem Phantasienamen 9F8 erschienen 1993 und übertraf alle früheren Quarzuhren. Außerdem wurde auch noch das Datum angezeigt. Mit der GS56 Serie erschien 2002 zum aller ersten mal ein vierter Zeiger (GMT) am Zifferblatt der Modellfamilie.
Ein Jahr später erschien die Anti-Magnetic Quarz Reihe, die einer Feldstärke vom bis zu 40000 A/m stand hielt, 2004 und 2006 dann je ein Modell mit Spring Drive Werken (9R6), welche von einer Chronograph Variante gefolgt wurden.
Das vergangene Jahr widmete man den Modellen mit Automatikwerken, nach 41 Jahren erneut mit einem 10 BEAT Werk. Die Feder wurde aus der SPRON530 Legierung, die der Unruh aus SPRON610 (Nickel, Chrom, Molybdän) angefertigt, welche nicht magnetisierbar, gleichzeitig aber sehr flexibel und belastbar sind. Das verspricht eine lang anhaltenden genauen Gang. Ein gutes Zeichen hierfür ist die Gangreserve von 55 Stunden neben einer Frequenz von 36000 Schwingungen pro Stunde.
Die Grand Seiko Kollektion
Heute kann man die GS ohne weiteres als die Luxusmarke von Seiko betrachten, an dem die besten Uhrmacher beider Fabriken arbeiten. Das die Separierung durchaus absichtlich ist wird auch dadurch offensichtlich gemacht, dass die Kollektion eine eigenständige Homepage bekommen hat.
Das Erscheinungsbild der Uhr hat sich seit den 1960-er Jahren kaum geändert: das klare, klassische Design blieb erhalten, was auch heutzutage wieder in Mode kommen zu scheint. Zur Zeit finden sich nur Herrenmodelle in der Kollektion mit dem Automatikwerk 9S, Spring Drive 9R und mit dem Quarzwerk 9F. Detaillierter werden diese weiter unten behandelt. Was die Technologie bezüglich der Herstellung angeht, so hat sich seit den 60-er Jahren so einiges verändert. CAD und fortgeschrittene CNC Technologie sowie moderne Werkzeugmaschinen stehen jetzt den Herstellern zur Verfügung, womit die Räder mit einer Toleranz von einem hundertstel Millimeter hergestellt, und die Hemmungen gar unter einem Mikroskop zusammengesetzt werden können.
Für das Jubiläum wurden sechs, in limitierte Stückzahl hergestellte Modelle vorgestellt, dessen Rotor oder Zifferblatt (vom Werktyp abhängig) mit der Inschrift “50th Anniversary 1960-2010” und einem goldenen Löwen zieren. Bestimmte Elemente und Verfahren wurden von anderen Modellen übernommen, so z.B. das "Zaratsu“ Verfahren, welches bei der Gestaltung des Gehäuses eine sehr feine, geschmeidige, spiegelglatte Oberfläche als Resultat hat. Die Zeiger und Indizes sind messerscharf und dadurch auch in der Dämmerung gut ablesbar. Was die verwendeten Materialien angeht, so kam bei den Federn das Eigenmaterial von Seiko, das SPRON auch hier zu Einsatz.
Spring Drive
In den Jubiläumsmodellen arbeitet ein speziell für die Grand Seiko hergestelltes Kaliber (9R65). Die Ganggenauigkeit ist ziemlich hoch, sie beträgt 10 Sekunden pro Monat. Zu verdanken ist das den besonderen Kristallen in der Gangregulierung. Neben dem Edelstahl Gehäuse kann man sich auch für die Platinvariante mit Krokodillederband entscheiden. Die Modelle bekamen leider keine eigene Namen, man kann sie lediglich an Hand der Referenznummer unterscheiden, aber das Innenleben der beiden SD Modelle ist identisch: Automatikwerk mit Datumsanzeige, 30 Steine, Gangreserve von 72 Stunden inkl. Anzeige, 30 mm Durchmesser und 5,1 mm Höhe.
Sowohl das Gehäuse als auch die Schließe des Modells der Referenznummer SBGA011 wurde aus Titan gefertigt, das gewölbte Saphirglas wurde entspiegelt. Das 41x12,5 mm große Gehäuse ist bis 100 Metern Wasserfest, und ist bis eine Feldstärke von 4800 A/m anti-magnetisch. Die verschraubte Krone leistet auch seinen Beitrag hierzu. Das Gewicht dieser Uhr beträgt 100 Gramm, und den hierfür verantwortlichen kann man Dank des Glasbodens gut erkennen.
Die Chronograph Variante in Edelstahl (Referenznummer SBGC001) macht mit seinen riesigen Drückern einen viel markanteren Eindruck. Selbstverständlich wurde im inneren ein anderes Kaliber verbaut: dem Kaliber 9R86 kann dem Glasboden Dank auch während der Arbeit zuschauen. Das Gewicht dieses Zeitmessers ist beinahe zweimal so hoch, wie von seinem Gefährten vorhin und beträgt 187 g wobei das Gehäuse selbst auch größer wurde (43,5x16,1 mm). Die verschraubten Drücker dominieren eindeutig das Auftreten, welche die eingebläuten Zeiger der Hilfszifferblätter in Bewegung bringen. Trotz der vielen Anzeigen ist die Uhr gut abzulesen und die Widerstandsfähigkeit ist mit dem Titanmodell auch identisch.
Mit Quarzwerk
Das 9F62 Werk ist auch eine Eigenentwicklung speziell für die GS. An der Ganggenauigkeit wurde weiter gearbeitet und steht jetzt bei 5 Sekunden pro Jahr! Das verbaute Quarzkristall verspricht eine dauerhafte Zuverlässigkeit, worauf der Hersteller besonders Stolz ist, und seiner Errungenschaft mit einem Pentagramm über dem Index bei 6 Uhr auch kundtut. In dieser Kategorie ist nur ein Edelstahlmodell zu finden, das mit der Referenznummer SBGX075. Es handelt sich hier um ein traditionelles Werk mit Datumsanzeige, einer Batterie mit einer Lebensdauer von 3 Jahren und mit dem BACKLASH AUTO ADJUSTMENT System. Es ist erwähnenswert, dass die Werk mit 9 Steinen nicht ganz rund ist, sondern ein wenig eiförmig, sie misst 26x26,8 mm und ist 3,1 mm hoch. Das weiße Zifferblatt wird von einem Saphirglas überspannt, der Wert für die Wasserfestigkeit ist mit den vorher erwähnten Modellen identisch. Insgesamt wurden 500 Stück von diesen Uhren mit einem Einzelwert von 315,000 JPY gefertigt.
Mechanisch
Alle Automatikmodelle der GS bestanden die japanischen Chronometer Prüfungen. Aus welchem Grund ist also die neue mechanische Grand Seiko SBGH015 so besonders – abgesehen vom goldenen Löwen selbstverständlich? Ein besonders Werk, das "HI-BEAT 36000" (9S85) wurde hier verbaut – der Name verweist natürlich auf die Anzahl der Schwingungen pro Stunde – welches lediglich eine Abweichung von -2/+4 Sekunden am Tag hat. Das "SPECIAL" Logo am Zifferblatt erinnert an die besonderen Modelle die zum ersten mal in den 1970-er Jahren eingeführt wurden. Hier haben es wir allerdings mit einem neuen Modell, mit 37 Steinen, und mit einer Gangreserve von 55 Stunden zu tun. Das Gehäuse beträgt 40,2x13 mm und ist wie auch die Schließe aus Edelstahl. Das Glas ist Saphir, die Wasserfestigkeit beträgt 10 bar und ist bis zu 125 Gauß antimagnetisch. Für eins der 300 Exemplare muss man um die 682,500 JPY bezahlen.
Zusammenfassend hat es also den Anschein, dass die Japaner noch fanatischer die Pünktlichkeit verfolgen, als es die Deutschen tun. Selbstverständlich ist es ein gutes Gefühl zu wissen, das obwohl eine Automatikuhr unser Handgelenk ziert, eine Nachstellung von 10 Minuten pro Monat überflüssig ist, imponierend ist auch, das die Abweichung von ±5 Sekunden praktisch mit Null gleich ist. Natürlich nur für uns Uhren Träger, nie für die Ingenieure. Obwohl sich die Zeiten schnell ändern und die Herstellungsverfahren sich blitzschnell weiterentwickeln, Seiko bleibt irgendwie doch unverändert, und hier handelt es sich bestimmt nicht nur um die 50 Jahre, in denen es die Grand Seikos gibt – vielleicht ließt man ja nach weiteren 50 Jahren einen ähnlichen Bericht. Die Geschichte handelt viel mehr über den Respekt vor Tradition und das betonen von Funktionalität und hat zur folge, dass auch solche Leute ihre Anerkennung ausdrücken, die eventuell anderen Vorstellung bezüglich des Erscheinungsbildes haben. Derjenige, der das Vergnügen hatte die japanischen Vertreter der Marke zu treffen weiß, dass die wahren Werte in den Leuten und in der Kultur wurzeln. Hoffentlich wird dies durch die rasende Zeit nicht aus den nachfolgenden Generationen gelöscht.
Sz.J./V.E.






